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«Bildung ist nur dann erfolgreich, wenn man immer eine Nasenlänge voraus ist» ipso!, 23.03.2026

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ipso!

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150 Jahre ipso! Bildung – ein Gespräch über Haltung, Verantwortung und Zukunft mit Jürg Weibel, Inhaber, Verwaltungsrat und entscheidender Wegbereiter der heutigen ipso Bildung AG. 

150 Jahre ipso! Bildung. Was löst diese Zahl bei Ihnen aus?

Tradition allein ist kein Erfolgsfaktor. Bildung – und insbesondere private Bildung – ist nur dann erfolgreich, wenn man immer eine Nasenlänge voraus ist. Stillstand wäre der falsche Weg. Entscheidend ist die Fähigkeit, Entwicklungen früh zu erkennen und darauf zu reagieren. Gleichzeitig erzeugt es bei mir auch Stolz, seit bald 40 Jahren Teil der ältesten Privatschule der Schweiz zu sein.

Was unterscheidet ipso! aus Ihrer Sicht grundlegend von anderen Bildungsanbietern – nicht im Angebot, sondern im Denken?

Private Bildung unterscheidet sich grundsätzlich von staatlicher Bildung. Unser Anspruch ist es, Ausbildungen anzubieten, die zu extern anerkannten Abschlüssen führen – zu Diplomen mit echtem Mehrwert im Arbeitsmarkt. Reine interne Abschlüsse greifen aus meiner Sicht zu kurz. Gerade in den letzten 25 Jahren hat sich die Berufs- und höhere Berufsbildung stark professionalisiert. Davon profitieren unsere Studierenden ganz direkt.

Warum ist Weiterbildung heute wichtiger als früher?

Die Arbeitswelt verändert sich heute in einem Tempo, das es früher so nicht gab. Anpassungsfähigkeit wird immer wichtiger. Früher blieben Menschen oft jahrzehntelang im selben Unternehmen. Heute verändern sich Berufsbilder laufend. Man denke nur daran, dass die ersten PCs erst vor rund 50 Jahren einen vorerst zaghaften Einzug in die Arbeitswelt hielten – und heute ein Leben ohne digitale Technologien kaum mehr vorstellbar ist. Diese Dynamik macht lebenslanges Lernen zur Notwendigkeit.

Was bedeutet «ipso!» – im Sinne von «eo ipso», also «von sich aus» – für Sie persönlich und für das Unternehmen?

Lernen ist immer etwas Persönliches. Jeder muss sich Wissen selbst erarbeiten. Das kann einem niemand abnehmen. Dafür braucht es Vertrauen: Vertrauen der Lernenden in die Lehrenden, dass sie das Richtige und Wesentliche vermitteln. In diesem Sinne ist der Name ipso! tatsächlich Programm.

Welche Werte prägen ipso! – früher wie heute?

Unsere Werte haben sich im Kern kaum verändert. Es geht um Menschlichkeit, Integrität und Ehrlichkeit – nicht um Technologie. Wir haben eine grosse Verantwortung: Wir dürfen keine leeren Versprechen machen, sondern müssen Ziele realistisch an den Möglichkeiten der Lernenden ausrichten. Unsere Studierenden sind unsere Kundinnen und Kunden. Sie vertrauen darauf, dass wir sie ehrlich beraten, begleiten und auf ihrem beruflichen Weg unterstützen.

Welche strategischen Entscheidungen waren für Sie persönlich besonders prägend?

Sehr früh haben wir uns entschieden, den Fokus auf die Berufsbildung und die höhere Berufsbildung zu legen. Dabei haben wir uns bewusst auf bestimmte Bereiche konzentriert – insbesondere Technik, IT sowie Bewegung und Gesundheit.

Was hat Sie persönlich in die Bildungswelt geführt?

Als Personalverantwortlicher haben mich immer besonders die jungen Menschen, die Lernenden, motiviert. Der Wechsel von der Arbeitgeber- und HR-Seite in die Aus- und Weiterbildung war für mich ein konsequenter Schritt.

Wie sah Ihr eigener Bildungsweg aus?

Nach einer kaufmännischen Lehre habe ich gemeinsam mit meiner Frau die Hotelfachschule in Luzern besucht – mit 21 Jahren waren wir wohl die jüngsten diplomierten Hoteliers. Diese Ausbildung entspricht heute einer höheren Fachschule. Später habe ich mich im Personalwesen weitergebildet und früh Führungsverantwortung übernommen, bevor ich im Rahmen einer Nachfolgeplanung die Leitung der damaligen NSH übernehmen durfte.

Jürg Weibel hält 150 Jahre Schokolade in die Höhe

ipso! blickt auf 150 Jahre Geschichte zurück. Wie zeigt sich diese Geschichte heute noch?

Die Huber Widemann Schule in Basel, 1876 ins Leben gerufen, ist die Gründerschule unserer Bildungsgruppe. Schon früh verband sie unterschiedliche Bildungsbereiche – von Handel und Sprachen bis Medizin. Diese Vielfalt, verbunden mit der Bereitschaft, Risiken einzugehen, Entscheidungen zu korrigieren und Neues zu wagen, prägt ipso! bis heute.

Gab es Persönlichkeiten, deren Beitrag für ipso! bis heute Wirkung zeigt?

Zwei Namen stehen stellvertretend für viele andere: Rosmarie Schürch (91) und Elisabeth Holzach (93) prägten die Anfangsjahre der NSH Neue Sprach- und Handelsschule über viele Jahrzehnte hinweg. Im Zentralsekretariat standen sie mitten im Schulalltag und waren mit ihrem Engagement und ihrer grossen Empathie die guten Geister der Schule. Sinnbildlich dafür steht eine kleine Tradition: Am Abend vor Schulbeginn, nachdem die neuen Stundenpläne und Schulbücher bis spät in die Nacht vorbereitet worden waren, holte man noch gemeinsam in der legendären «Brötlibar am Barfi» einen Mitternachtsimbiss - als stiller Ausdruck von Einsatz. Gemeinsam zelebrierte man auf diese Weise den Start ins neue Schuljahr.  

Wie wurde aus einzelnen Schulen ein Bildungsunternehmen?

Jede Unternehmung braucht Pioniergeist. Aus Ideen, Visionen und einzelnen Schulen ist über die Jahre eine Bildungsgruppe entstanden, die sich immer wieder neuen Herausforderungen anpassen musste – und das auch künftig tun wird.

Gab es Wendepunkte, die Sie besonders geprägt haben?

Ein wichtiger Moment war 2007 die Integration der IBZ, der grössten Technikerschule der Schweiz. Der Einstieg in den Bereich der höheren Fachschulen war für uns eine Herausforderung. Wir mussten viel lernen, haben uns aber rasch Know-how aufgebaut – auch durch Engagement in Verbänden und eidgenössischen Kommissionen.

Was bedeutet «Zukunft der Bildung» für ipso!?

Die Digitalisierung wird weiter an Bedeutung gewinnen – beruflich wie privat. Die eigentliche Herausforderung liegt aber darin, die digitale Welt mit dem Menschsein zu verbinden. Dieser Balanceakt ist entscheidend.

Was wünschen Sie ipso! für die nächsten 150 Jahre?

Neugierige, verantwortungsbewusste Mitarbeitende mit offenem Geist – und mit Augenmass.

Wenn Sie ipso! in einem Satz beschreiben müssten, der auch in 20 Jahren noch gilt?

In Anlehnung an unseren Namen: ipso! «von sich aus» – oder «durch sich selbst».

Was verpflichtet Sie persönlich mehr – die Geschichte oder die Zukunft von ipso!?

Die Zukunft. Ich selbst stehe im Jubiläumsjahr an einem persönlichen Meilenstein und werde 70 Jahre alt. Die Zukunft gehört der nächsten Generation – und ich bin gespannt, welche Schritte sie gehen wird.

Welche Entwicklungen im Bildungsmarkt betrachten Sie mit Skepsis?

Die rasante Digitalisierung und insbesondere die Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz. Sie sind spannend, bergen aber auch Risiken – vor allem für Menschen, die eher bildungsfern sind und den Anschluss verlieren könnten.

Was sollten kommende Generationen bewahren – und was weiterentwickeln?

Bewahren sollten wir Integrität, Respekt und die Fähigkeit zuzuhören. Weiterentwickeln müssen wir den Mut, Entscheidungen zu treffen und Risiken einzugehen – ohne dabei das betriebswirtschaftliche Denken völlig auszublenden.

Welche Botschaft möchten Sie Studierenden, Mitarbeitenden und Partnern im Jubiläumsjahr mitgeben?

150 Jahre Geschichte bedeuten auch 150 Jahre Verantwortung. Unsere Aufgabe ist es, die nächsten Schritte mutig, bewusst und verantwortungsvoll zu gehen für die nächsten 150 Jahre.